Mittwoch, 21. Mai 2008

Alltagsleben in der Stadt der Segel oder warum man in Auckland einfach nicht vorwärts kommt

Hellooooo....

naaaa wie isset euch? Mir ist letztens mal wieder aufgefallen das wir eigentlich ausschließlich über spezielle Ereignisse oder unsere Reisen sowie abenteuerlichen und atemberaubenden Expeditionen berichten. Deswegen möchte ich euch heute mal unseren Alltag hier etwas näher bringen. Dazu wird’ mich erstmal dem, wenigstens unter Nicht-Vollzeitstudenten hoffentlich bekannten Schema der Sieben-Tage-Woche bedienen. (Hehe kleiner Seitenhieb ;) ) Bestimmte Verhaltensweisen und Aktivitäten beschreiben hier allerdings eher meinen Wochenverlauf, da ich nicht mit Andy und Joe zusammen wohne und sich unsere Wege daher meist nach der Uni erstmal trennen. Auf geht’s:

Montag:
Tja, was soll ich sagen? Montag ist frei! Was nicht unbedingt heißt, dass das Wochenende weitergeht aber, drücken wir es mal so aus, die Tatsache, dass keine regulären Pflichtaktivitäten auf einen warten, lässt einem doch gewissen Entscheidungsspielraum bezüglich des Aufstehens. Nach selbigem nutze ich den Vormittag meist, um mein Zimmer etwas vom, am Wochenende um sich greifenden Chaos zu befreien. Den restlichen Tag kann man dann entweder nutzen um etwas Arbeit für die Uni zu erledigen oder sich, wie Joe und Andy, sportlich im „Recreation Centre“ zu betätigen. Ansonsten ist Montag auch schon mal ein guter Tag um Treffen mit Arbeitsgruppen ab zu halten oder aber eventuell doch einfach das Wochenende noch ein bisschen fest zu halten.

Dienstag:
Am Dienstag starten wir durch – aber erst um zehn. Erst mal gibt’s meistens Kaffee (Genauer gesagt, Cappucino, Moccacino und Chai-Latte, aber auf die Kaffeekultur komm’ ich später noch mal.). Dann gibt’s zwei Stunden „MKTG 305“. Das ist unser Marketing-Kurs unter der Leitung eines jungen engagierten Dozenten Namens Harold Cassab. Ich hab immer noch nicht ganz raus welche Nationalität der Mann hat. Aber er bringt uns Service Marketing und was dazu gehört, eine Dienstleistung auf dem Markt gut zu verkaufen auf interessante und häufig interaktive Weise näher.
Weiter geht’s auch gleich um zwölf mit einer Stunde International Business (INTBUS 211). Dieser Kurs beschäftigt sich mit den Problemen die auftreten, sobald sich ein Unternehmen in die schwierigen Gewässer des internationalen oder gar globalen Marktes begibt. Der Kurs wird gleich von zwei Dozenten geleitet. Die erste Hälfte unterhielt uns Dr. Siah Hwee Ang (er hat uns mal erzählt wie man das korrekt ausspricht aber...). Ich muss hier wirklich „unterhielt“ sagen, denn, auch wenn das jetzt kitschig klingt, er verstand es uns den Stoff auf sinnvolle, aber gleichzeitig witzige und unterhaltsame Art und Weise, näher zu bringen. Ganz im Gegensatz zu Mr. Daniel Tisch, dessen Witz, dass er drei Reisepässe besitzt, auch schon sein bester war. Mit Sicherheit liegt rührt die qualitative Differenz zwischen den beiden auch von den zwanzig Jahren Alters- und damit Erfahrungsunterschied her, aber ein bisschen weniger Sarkasmus, die Studenten betreffend kann man auch von einem end-zwanziger Schweiz-Kanada-Neuseeländer erwarten. Tja manchmal regnet’s eben Gold und dann wieder Pech.
Ein nicht zu verachtender Teil der INTBUS-Vorlesung ist die „Glo-Bus“-Simulation. Diese Online Simulation gibt einem die Gelegenheit das Ruder einer global operierenden Multimillionen-Dollar Digitalkamerafirma zu übernehmen und gegen andere Firmen aus dem Kurs sowie anderer Universitäten weltweit an zu treten. Sie ist sehr komplex und fordert strategische Entscheidung von Produktveränderungen in Technologie und Design, über Marketinginvestitionen in den verschiedenen Region der Welt und Personalstrategien, bis hin zu der Frage, ob man weitere Kredite aufnehmen will oder wie viele Aktien man auf den Markt wirft. Obwohl diese Simulation pro Entscheidungsabgabe mehrere Stunden Zeit in Anspruch nimmt ist sie leider nur 20 % der Gesamtnote wert. Wer sich darüber informieren möchte kann dies übrigens auf www.glo-bus.com tun.
So jetzt aber weiter im Text. Der letzte Kurs den wir am Dienstag genießen dürfen ist Advanced Operations and Supply Chain Management (OPSMGT 370). Gerade für uns Logistiker kann dieser, von Prof. Jay Sankaran unterrichtete Kurs durchaus als Kernfach angesehen werden. Hier geht es um das Zusammenspiel unterschiedlicher wirtschaftlicher Faktoren und deren optimaler Koordination, um die Versorgungskette vom Hersteller bis zum Endkonsumenten möglichst effizient zu gestalten – einfach gesagt. Unglaublich spannend! Nicht? Gut, dann will euch jetzt auch gar nicht weiter mit Details belästigen. Kommen wir zum angenehmen Teil des Tages, dem Nachmittag.
Nach dem Kurs geht’s oft erstmal ins „Foodquad“, dem pulsierenden Herzen des Auckländer Studentenlebens. Das ganze ist ein quadratischer Platz mit ausreichen Sitzgelegenheiten und ebenso ausreichenden Gelegenheiten den Durst oder Hunger zu stillen. Es gibt Cafés (vor allem natürlich die obligatorische kleine Cafébude die den geilsten Kaffee wo gibt macht) die neben Kaffee auch Sandwiches und anderes Gebäck verkaufen, eine Art Kantine, die variierende warme und kalte Speisen anbietet, eine Salatbar sowie einen Kebabmann (allerdings nicht zu verwechseln mit dem was der deutsche Otto-Normal-Verbraucher unter Kebabmann versteht), einen indischen Schnellimbiss, einen chinesischen Schnellimbiss sowie eine Sushi-Bar. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube wir haben an anderer Stelle bereits erwähnt, dass wir große Sushi-Fans geworden sind, vor allem auf Grund der Tatsache, dass es hier Sushis wie Sand am mehr gibt und es ungefähr halb so teuer wie in Deutschland ist. Die New Zealand-Connection wählt also meist zwischen Sushi und Inder. Nach dem Mahl (und vielleicht noch ’nem Kaffee) geht’s dann meist ab nach Hause. Für mich bedeutet das, einen kleinen Spaziergang durch den Albert Park und runter zur Queen Street. Wenn die Sonne scheint bleib’ ich auch schon mal im Park hängen um dort ein paar Sachen für die Uni zu lesen oder auch einfach nur ein wenig aus zu spannen.
Dienstags abends geht’s ab und an ins Kino, da die Preise dann am niedrigsten sind. Niedrig heißt etwa fünf Euro. Ansonsten kostet’s 7,50 EUR also ausnahmsweise vergleichbar mit deutschen Preisen.

Mittwoch:
Mittwochs geht’s um acht Uhr mit unserem vierten Kurs los, Project Management (OPSMGT 357). Hört sich in diesem Fall leider spannender an als es ist. Mit Sicherheit könnte es sehr viel spektakulärer sein aber der Dozent hat es anscheinend nicht so gewollt. Prof. Tiru Athanari erzählt uns über Projektpläne, Formeln und Tabellen zur Kalkulation von Dauer, Risiko und Ressourcen von Projekten. Leider, obwohl sehr nützlich, auf absolut abturnende Weise. Zu allem Überfluss haben wir nach der einstündigen Vorlesung drei Stunden Zeit bevor es um zwölf mit International Business weitergeht. Den verlockenden Gedankengang beim aufstehen hat wohl jeder Schüler oder Student schon mal gehabt. ☺ Aber die Zeit zwischen den Vorlesungen lässt sich natürlich auch prima für ausstehende Recherchearbeiten in einem der zahlreichen Computersäle, eine Partie Squash im „Rec-Centre“ oder einen entspannenden Spaziergang durch den direkt neben der Uni gelegenen Albert Park nutzen. Nach der INTBUS-Vorlesung gibt’s oft wieder Mittagessen im Food-Quad. Den Rest des Tages verbringt jeder auf seine eigene Art.

Donnerstag:
Donnerstags morgens starten wir, zusammen mit einem Kaffee, um acht mit einer Stunde Marketing. Jeden Donnerstag analysieren wir gemeinsam mit dem Dozenten einen eine Fallstudie oder einen Fall aus der realen Wirtschaftswelt.
Nach Marketing haben wir auch donnerstags wieder drei Stunden frei die zur freien Entfaltung genutzt werden können bevor es um zwölf mit zwei Stunden Supply Chain Management weiter geht. In letzter Zeit treffen wir uns danach meistens kurz mit unseren beiden Teamkollegen Luke Fowler und Saifuddin „Saif“ Gunja um den Fort- und weitere Schritte unserer aktuellen Gruppenarbeit zu besprechen. Für diese Gruppenarbeit haben wir gestern übrigens ein Interview ein Interview mit einer Managerin von Cerebos Gregg’s, dem führenden Hersteller und Verteiler von Kaffee in Neuseeland und Australia, geführt. Das war sehr interessant.
Neuerdings spiele ich donnerstags abends in einer kleinen Runde Poker. Rein zum Vergnügen. Letzten Donnerstag kamen Joe und Andy auch mit. Den Gastgeber hab’ ich eines Abends in einem Pub kennen gelernt. Er hat einen der besten Wohnorte, die ich mir in Auckland vorstellen kann. Er wohnt auf einem großen Trimaran-Segler im größten Yachthafen Aucklands mit direktem Blick auf die Hafenbrücke – fantastisch!

Freitag:
Der letzte Werktag der Woche beginnt um acht mit zwei Stunden Projektmanagement gefolgt von einer Stunde International Business um zwölf. Danach beginnen die unergründlichen Weiten des Wochenendes. Wenn nicht gerade irgendwelche Abgabetermine für diverse Hausarbeiten rufen.

Wochenende:
Das verläuft meist sehr unterschiedlich. Unser Freundeskreis besteht hier mittlerweile aus vielen verschiedenen Leuten und irgendwer hat immer einen guten Vorschlag. Manchmal ist es einfach nur der Kinobesuch. Oder ein gemütliches Bier in einem der zahlreichen Pubs. Eher selten gehen wir hier in den Club. Einerseits haben wir bis jetzt auch noch nicht wirklich nach guten Clubs gesucht und zum anderen stehen die meisten auch nicht so richtig drauf. So blieb es bis jetzt, meines Wissens nach, bei zwei Clubnächten. Ganz zu Beginn waren Andy und Joe mal im glamourös anmutenden aber ominösen „MET“. Und vor ein paar Wochen waren wir mit einer größeren Gruppe im „Asta“. Das war schon ziemlich geil. (Ich berichtete ich schon früher an dieser Stelle.) Während Joe und Andy zusammen mit Johannes, Maria und ihrem, vor zwei Wochen angekommenen Freund Soupie letztes Wochenende ein weiteres Mal nach Taupo gefahren sind, unter anderem um ihr Fischerglück ein allerletztes ultimatives Mal auf die Probe zu stellen, hab ich mich mit ein paar Freunden in deren Universitätsunterkunft getroffen. Dort haben wir zunächst in der TV-Lounge „Die Mumie“ geguckt und danach ein ziemlich lustiges Spiel gespielt. Das war so unterhaltsam das ich „wenig“ später bemerkte das es bereits kurz vor drei war. Das war Freitag. Am Samstag Abend hab ich ein paar Leute in unsere Wohnung eingeladen und wir haben viel gequatscht und ein paar kühle Bier genossen.

So spulen wir hier Woche um Woche runter. Und, ich hab’s selbst kaum geglaubt, wir sind schon drei Monate hier. Das bedeutet, dass uns noch sechs Wochen bleiben bevor es über Nordamerika wieder nach Hause geht. Und bis dahin bleibt hier noch einiges zu tun. Wir müssen unseren geliebten Colonel verkaufen, unser zusätzliches Gepäck wieder verschiffen sowie natürlich die Abschlussprüfungen schreiben.

Gott sei Dank gibt es aber genug Gelegenheiten und Ereignisse die das Gefühl des Alltagslebens hier ein bisschen aufheben. Zum Beispiel haben wir vor zwei Wochen Besuch von einem Pärchen bekommen, das wir am anderen Ende des Landes, nahe Milford Sound, während unserer Südinseltour getroffen haben. Mit den beiden haben wir zwei nette Abende verbracht und vielleicht besuchen sie uns mal in Deutschland.

Außerdem haben wir den Gemeinschaftsraum meiner WG schon mehrmals als Partyraum missbraucht. Da wir die einzige WG sind die über einen wirklich großen, halbwegs gemütlichen Raum verfügt wird dieser sogar von anderen „angemietet“. So haben wir schon die ein oder andere Geburtstagsfeier, unter anderem natürlich auch meine, hier zelebriert. Dieses Wochenende steht schon die nächste an, denn der Andi hat Geburtstag.

Oh, apropos mein Geburtstag. Großes "Dankeschön" noch mal an alle die mir von nah und fern gratuliert haben. Was ich an dieser Stelle überhaupt noch nicht erwähnt hab’ ist das Geschenk das mir die Bande hinter Andi und Joe hier gemacht hat. Bereits während der Südinseltour wollte ich in Queenstown schon was Verrücktes machen, aber dort fehlte mir leider das Geld. So haben Andi und Jochen dafür gesorgt, dass ich nun hier in Auckland meinen Wunsch verwirklichen konnte: Einen Bungy Jump! Ich bekam einen Sprung von der Auckland Harbour Bridge geschenkt! So, hieß es vor ein paar Tagen für mich ab in den Shuttlebus und ab zur Hafenbrücke. Dort wurde ich gewogen und mit dem obligatorischen Sicherheitsgurt ausgestattet. Zusammen mit einer Gruppe von etwa zehn anderen Wagemutigen liefen wir anschließend auf einem Wartungssteg zum „Bungy Pod“, dem Absprungpunkt in der Mitte der Brücke unterhalb der Fahrbahnen. Ich hatte erwartet, dass ich fürchterlich nervös sein würde, aber, vielleicht auch weil vor mir ein paar andere sprangen und ich sehen konnte wie das System funktionierte, hielt es sich in Grenzen. Schließlich war ich an der Reihe. Nachdem ich kurze Anweisungen bezüglich zum Sprung und dem Gurtsystem bekommen hatte, wurden meine Füße eingebunden und ich trippelte zur Kante. Früher am Tag hatte ich mir vorgenommen, mich zumindest richtig abzustoßen und mich nicht einfach fallen zu lassen. Ein letzter Mutschrei in die Kamera, der Bungy-Instructor zählte runter: „5...4...3...2...1...C ya!“ Ja, das waren seine Worte. Und tatsächlich zögerte ich nicht und es gelang mir ich einigermaßen von der Kante abzustoßen. Meinen anderen Vorsatz, nicht zu schreien, konnte ich dagegen nicht umsetzen. Mit einem markerschütternden Schrei stürzte ich in die Tiefe. 47 Meter - ein unglaubliches Erlebnis! Bei vielen Bungy Locations die Wasser unter dem Sprungpunkt haben, kann man wählen ob man das Nass nur mit den Fingerspitzen berühren, lieber gar nicht damit in Berührung kommen oder richtig nass werden möchte. Ich dachte mir wenn schon denn schon und wählte letztere Option. So tauchte ich nach 47 Meter Fall denn auch bis zur Gürtellinie ins Auckländer Hafenwasser ein. Juchuu! Jeder der auf Adrenalin steht sollte das unbedingt mal ausprobieren.
Wir müssen für Markting noch eine Fallstudie über eine neuseeländische Firma schreiben und werden wahrscheinlich AJ Hackett wählen, die Gesellschaft, die auch den Auckland Harbour Bridge Bungy Jump betreibt. Und da ich noch einen Preis-Nachlass-Gutschein habe, werde ich mich im Dienste der Wissenschaft noch mal da runter stürzen. Yeehaa!

Etwas anderes über das ich euch schon länger berichten will ist das Busfahren hier in Auckland. Man könnte ja davon ausgehen, dass Auckland wie die meisten anderen Großstädte auch, ein halbwegs passables ÖPNV-System besitzt. Hm, weit gefehlt. Busfahren ist in ist in Auckland so wie in Deutschland Sonnenbaden: Manchmal klappts aber meistens reicht’s einfach nicht.
Also mal davon abgesehen das Auckland keine U- oder Straßenbahn besitzt ist schon das Verkersleitsystem ne Katastrophe. Damit mein ich jetzt Ampeschaltungen und straßenplanungen insgesamt. Keinerlei intelligentes oder logisches System dahinter. An großen Kreuzungen werden alle Fußgänger Ampeln gleichzeitig grün geschaltet bevor jede Fahrbahn einzeln dran ist. Was noch schlimmer ist, ist die Tatsache, dass Hauptstraßen hier keine Reihenschaltung ihrer Ampeln haben. Jede kleine Kreuzung operiert für sich und es gibt keinen konstanten Verkehrsfluss. Und jetzt bin ich noch gar nicht bei den Bussen angekommen. Da wird’s noch viel interessanter. Im Prinzip ist die Idee des Systems nicht verkehrt. Es gibt drei Stufen von Bussen. Zum einen eine kostenlose Innenstadtlinie die im engen Kreis durch das Zentrum von Auckland fährt. Dann eine Linie die einen etwas weiteren Kreis durch die das Zentrum umgebenden Stadtteile macht. Tickets für diese Linie kosten 1,50 NZD unabhängig davon, ob man eine Station fährt oder fünf Mal im Kreis. Und als letztes gibt’s die Linien die in die äußeren Stadtteile fahren. Tickets dafür variieren zwischen 50 Cent und 5 Dollar. Tickets können allerdings in allen Bussen nur beim Fahrer gekauft werden. Das führt zu großen Schlangen. Selbst Zeittickets müssen in der Regel beim Fahrer erstanden werden. Dazu kommt, dass die Fahrer der dritten Stufe oft nicht zu wissen scheinen wo sie hinfahren und welche Route sie nehmen, da sie keine Auskunft geben können. Außerdem haben nur Hauptbushaltestellen innerhalb der Stadt Namen. Es gibt also so gut wie keine Orientierungsmöglichkeit. Die Fahrpläne hier werden, auch dadurch, teils sehr kompliziert. All das in Verbindung mit dem unglaublich ausgeklügelten Verkehrssystem führt dann auch dazu, das Fahrzeiten, der Fahrplan sowie die Verlässlichkeit insgesamt für die Tonne sind. Das Witzige ist, das die Neuseeländer sich zumeist damit abgefunden haben. Man geht zur Haltestelle und wenn der Bus kommt, kommt er halt. Frisch zugezogene Deutsche kriegen nach fünf Minuten nervöse Zuckungen, sofern sie in der Lage sind den Fahrplan zu enträtseln. ☺ Außerdem muss man sich auch erstmal dran gewöhnen, dass man Bussen hier mit Handzeichen signalisieren muss, dass man mitgenommen werden möchte. Steht nicht gerade zufällig noch jemand an der Haltestelle wird der Fahrer ansonsten gewohnheitsgemäß eiskalt weiterfahren. Das hat uns am Anfang bestimmt den ein oder anderen Bus gekostet.

Hm, was wollt’ ich noch erzählen? Ach es gibt noch so viel aber das soll’s für jetzt erst mal gewesen sein. Morgen (Donnerstag) Abend gibt’s ein weiteres kleines Highlight. Pokern fällt aus, stattdessen geht es ausnahmsweise mal donnerstags ins Kino. Eine Legende kehrt auf die Leinwand zurück: Indiana Jones startet in ein weiteres spannendes Abenteuer. Ich bin schon gespannt.

Also bis auf bald meine Freunde! Haltet die Stellung! Ich meld mich wieder.

Viele Grüße aus Aotearoa!



Reini

Dienstag, 20. Mai 2008

Jochen und Reini in Neuseelands Handball-Himmel

Hallo liebe Leute,

es ist mal wieder soweit; ein neuer Blogeintrag ist da. Wir wissen, dass wir unsere wöchentlichen Uploads etwas schleifen lassen, doch leider muss man sagen, dass wir hier auch zeitweise richtig studieren müssen. Gerade nach unserer Nordinseltour waren unsere Tage größtenteils mit Studium und Lernen besetzt.
Dennoch habe ich es mir nicht nehmen lassen, am ersten Mai-Wochenende in Neuseelands Hauptstadt, Wellington, zu fahren um an den New Zealand Handball Championships teilzunehmen. Spätestens an diesem Zeitpunkt des Eintrages sollten einige von euch wissen, wer der Verfasser ist... rischtisch... der Joe. ;-) Für alle die, die ich erst in Zukunft kennenlernen werde sei schnell gesagt, dass ich eigentlich den größten Teil meiner jugentlichen Sportaktivitäten mit dieser wunderschöne Sportart verbracht habe. Da ich durch mein Studium in Köln leider etwas pausieren musste, weil mir einfach die Zeit gefehlt hat, habe ich mir gedacht, in Neuseeland (dem Handball-Eldorado schlechthin ;-) ) wieder mit Handball anzufangen. So habe ich mich in die Unimannschaft eingeschrieben und trainiere seitdem mit dieser.
Nunja... für diejenigen die nicht so ganz Handball spezialisiert sind.... das mit dem Eldorado war quasi ein Scherz; Handball existiert in Neuseeland quasi nicht. Die einzigen, die hier spielen, sind meistens Immigranten aus Europa. Demnach war eine der ersten Fragen bei unserem ersten Training, ob denn Kiwis (Neuseeländer) anwesend wären, da die Nationalmannschaft noch ein paar Spieler brauche. Leute, deren Nationalmannschaft zuhause amtierender Weltmeister ist, können durchaus etwas verwirrt auf diese Frage reagieren ;-).
Wie auch immer. Es gibt hier also keine Liga, wie zuhause, sondern nur ein Tunier, das einmal im Jahr stattfindet und bei dem der Neuseeland Meister ausgespielt wird. Der Meister qualifiziert sich dann für den Oceanic Cup, bei dem dann demnach der Ozeanien Meister ausgespielt wird. Letztes Jahr gewann Auckland die NZ Meisterschaft und hat in Melburne gespielt, dieses Jahr wollten wir die Meisterschaft verteidigen um dann nach Tahiti zu fliegen.

Gesagt getan. Und was braucht man um so ein Tunier zu gewinnen...? Richtig, Fans. Naa, ihr Leute aus dem Westen Deutschlands.... wer ist der wohl größte Schreihals des Ruhrgebiets, der sich als Supporter qualifizieren könnte?... richtig, Reini! *g* Der durfte natürlich nicht fehlen.

So hieß es für uns am Freitag, den 2.5.08 um 9:30 Abfahrt Richtung Wellington. Schnell noch Johannes (schon bekannt von der Nordinseltour), einen Italiener Davide und einen Franzosen Hervé in den Colonel gepackt, und los gings. Um noch mehr durch unsere Fan-Präsenz in Wellington aufzufallen, haben wir noch Brittany aus den USA mit auf die Tour genommen. Da allerdings schon alle Plätze im Colonel besetzt waren, ist sie mit dem Bus am Mittag mitgefahren.

Leider muss man sagen, dass der Weg von Auckland nach Wellington nicht gerade der Strecke Willich - Grevenbroich (Schätzelein!), sondern eher 9-11 Stunden Fahrtzeit entspricht. Eine gute Möglichkeit diese Strecke zu überbrücken wäre sicherlich zu schlafen, doch 4 Handballer und Reini in einem Auto... an Schlafen nicht zu denken. Man könnte auch sicherlich das ein oder andere Bier genießen, aber früh um 10? Und am nächsten Tag Handball spielen? Und dann die ganzen Pinkelpausen? Nee! Aber Glück hat der, der einen crazy Italiener bei sich im Auto hat. So stellte sich heraus, dass Davide über eine nicht zu endende Anzahl an "Car-games" verfügt. "Ich sehe was, was du nicht siehst" hat da echt mal ausgedient. So vergingen die folgenden 9 Stungen wie im Flug. Letztendlich kamen wir dann um 19:30 in unserer Jugendherberge (witzigerweise der gleichen wie auf unserer Nordinseltour) in Wellington an. Unsere "Nachzügler" mit dem Mittagsbus sollten erst gegen neun Uhr abends ankommen und so blieb uns noch etwas Zeit zum Duschen und Rugby schauen, ehe dann um 21 Uhr die Teambesprechung für den nächsten Tag anstand. Ansonsten war nach ein paar Bierchen nach der Besprechung für die meisten Matratzenhorchen angesagt, da man zum einen eine Höllenfahrt hinter sich hatte und zum anderen ein voller Tag mit Handball vor uns stand.

Der nächste Tag begann schon um 6:30 Uhr, da wir um 7:15 zu unserer Halle aufbrechen wollten. Etwas angeschlagen vom vielen Sitzen am Vortag und noch halb im Schäfchen zähled begann das Tunier um 8 Uhr. Ab diesem Zeitpunkt kann ich leider nur von der Männermannschaft berichten, da unsere Mädels meistens zeitgleich spielten oder ich mich als Schiedsrichter zwischen unseren Spielen betätigt habe. Im großen und ganzen war das Ausspielen des Meisters relativ simpel. Bei den Männern gab es drei Gruppen mit je 3 Mannschaften, die jeweils Gruppenersten spielen dann in der Gewinnergruppe um den Titel, alle Zweitplazierten um Platz 4-6 etc... Für dieses Tunier gab es im Prinzip drei Favoriten: University of Christchurch, die "Ballermänner" (kreativer Mannschaftsname von ausschließlich deutschen - wer hätt's gedacht - Handballern aus ganz Neuseeland) und uns, dem amtierenden Meister. Alle anderen Teams.... naja... spielten auch mit ;-). Wie gesagt, Handball ist nicht sehr groß hier.
Unser erstes Spiel war zum Glück erst gegen 9:30 Uhr gegen die Massey University of Wellington. Ohne überheblich zu sein, war dies eine Art Trainingsspiel für uns und wurde deutlich gewonnen. Auch unser zweites Spiel gegen die Spartans aus Wellington war eher zum warm werden. Richtig zur Sache gings dann nach der Lunchpause: Wie erwartet hatten sich die drei Favoriten in ihren Gruppen durchgesetzt und trafen in der Finalgruppe aufeinander. Unsere beiden "Leitwölfe" im Team hatten sich auch die anderen beiden angeschaut und angemerkt, dass Christchurch wohl zu schlagen wäre, die Ballermänner allerdings eine Herausforderung werden könnenten. So war also unser nächstes Spiel das vorgezogene Finalspiel.... richtig, gegen die Ballermänner (unglaublich dieser Name). Dieses Spiel war nicht zu vergleichen mit den voherigen, richtig guter Handball. Ein ständiges Kopf an Kopf Rennen, wobei wir eigentlich immer ein zwei Tore vorne waren.... bis zum Schluss. *g* Die einzige Führung der Ballermänner musste nämlich ausgerechnet genau die entscheidende sein, und so verloren wir das Spiel mit einem Tor. Wirklich sehr schade, wobei das Spiel wirklich super war. Unser viertes Spiel gegen Christchurch wurde dann wieder gewonnen und wir mussten auf Schützenhilfevon Christchurch gegen die Ballermänner hoffen. Doch leider hofften wir nach zwischenzeitlichem Hoffnungschimmer vergebens und mussten uns mit dem zweiten Platz zufrieden geben.
Unsere Mädels waren leider auch nicht vom Glück gesegnet und verloren 3 ihrer vier Spiele.
Einen Sieger hatten wir jedoch in unseren Reihen. Der inoffizielle erste Platz für den besten Supporter des Tuniers ging eindeutig an Reini, auch wenn der diesen Tag mit zwei weiteren ohne Stimme bezahlen musste. ;-) Thumbs up, Ryan!

Nach so viel Sport an einem Tag musste natürlich anschließend ein gewisser Ausgleich her... *g*. Der Ausgleich hieß Chicago Bar und hatte fantastische Burger und verdammt kühles Bier. Das Weltmeisterschaftsmotto 2006 "Teamgeist" fand sich auch in unseren Reihen wieder: Nach gestilltem Hunger und Durst packte uns die Spielsucht und so suchten wir uns den größten Tisch der Bar und Davide durfte ein weiteres Car-Game zum besten geben. Dieses nun Bar-Game hieß "Chil Chil Bing Bang" und macht einen Heidenspaß. Angestachelt von unserem vielen Gelächter wurde unser Tisch immer größer und größer so dass sich zum Schluss fast die koplette Herren- und Damenmannschaft an unserem Tisch wiederfand. Erst die Barkeeper konnten uns von unserem Spiel abbringen, als sie den Laden gerne schließen wollten. Den Rest des Abends haben wir verschieden verbracht, manche gingen erschöpft ins Hostel, andere - mich inbegriffen - ließen den Abend noch in einem Club ausklingen.

Der nächste Tag war dann wieder vom Reisen geprägt. Nach gemeinsamen Frühstück hieß es gegen 11:30 Tschüß zu sagen, bevor sich die Autos gemeinsam auf den Weg zurück nach Auckland machten. Für die Colonel Besatzung waren dies die wohl schnellsten 10 Std Autofahrt ever. Ein weiters Car Game sollte uns die ganze Rückfahrt beschäftigen. Ziel des Spiels ist eine Regel zu erraten, die von jemandem aufgestellt wurde, dabei werden Begriffe zur Hand genommen, die man auf eine Insel mitnehmen will, man jedoch nicht weiß ob man es darf. Zum Beispiel könnte jemand die Regel aufstellen, dass man nur Sachen mit nehmen darf, die mit einem Buchstaben anfangen, der in dem jeweiligen Vornamen der Person enthalten ist. Ich dürfe demnach z.B. einen Jojo, eine Orange, Chips, ein Hotel, einen Elefanten und Nüsse mit auf die Insel nehmen. JOCHEN. Kappiert? *g* Naja, und so weiter und sofort.

Was gibts noch zu erzählen von dem Wochenende? Nunja, es goss mal wieder aus Eimern als wir ankamen, aber nicht so ein bisschen, sonder Weltuntergangsstimmungsregen!!!

Gut gelaunt, jedoch völlig fertig war ich dann Sonntag nacht um 23 Uhr in meinen trauten 8 qm2.

C'est tout.

Soo, auch für die nicht-Franzosen ist dieser Bericht nun zu Ende, jedoch vertröste ich euch nur auf ein paar Tage, dann gibt es einen neuen, spannenden Bericht von diesem Wochenende in Taupo.

Bis die Tage,
Jochen

Dienstag, 29. April 2008

Shrimps-Golfen, Vulkane besteigen, aus dem Flugzeug springen und noch mehr verrückte Sachen! Teil 2

...uuuuuuuund da isser wieder!

Hallo und willkommen zurück zum zweiten Teil des Südteil-der-Nordinsel-Tour-Berichtes. Wo war ich stehen geblieben? Ach, ja:

Wir sind also am Dienstag Abend (08.04.08) in Wellington eingetroffen. So gegen 19:30 Uhr. Ein weiteres Mal zogen wir den Reiseführer (nein, nicht den „Anhalter“) zu Rate um eine geeignete Unterkunft für die Nacht zu finden. Wie sich herausstellte war die meistgepriesene Unterkunft bereits ausgebucht und so begnügten wir uns mit dem, nahe des Stadtzentrums gelegenen, Großhostel. Was direkt mal wieder auffiel: Die Preise steigen erheblich wenn man in den größeren Städten übernachtet. Wir haben glatte zehn Dollar mehr bezahlt als den kleinen Dörfern. Nach dem einer von den Jungs an der Rezeption uns mit einer, an ein abstraktes Kunstwerk erinnernden Zeichnung beschrieb, wo in der Stadt das beste Sushi zu finden sei, machten wir uns auf den Weg die Stadt zu erkunden. Obwohl es bereits dunkel war, liefen wir knapp 1 ½ Stunden umher und ließen uns von der Atmosphäre mitreißen. Gut, die Atmosphäre mussten wir uns ein bisschen selbst machen, denn Mittwoch abends ist in Wellington nach acht irgendwie tote Hose. Nachdem wir so einige schöne Ecken der Stadt gesehen hatten, beschlossen wir den anstrengenden Tag in einem der Irish Pubs ausklingen zu lassen. Auf die kann man sich im Zweifel immer verlassen, da viele von denen täglich Live-Musik anbieten. Gesagt getan. Die Stimmung nach und nach richtig ausgelassen (vielleicht auch mit jedem Pint) und so wandelte sich das „ausklingen lassen“ nach und nach in die Entscheidung die Nacht ausgiebig zu nutzen. Nachdem traurigerweise die Band um Mitternacht aufhörte zu spielen, zogen wir in einen anderen Pub um dort noch bis spät zu feiern.

Am nächsten Morgen war ich topfit. Komisch eigentlich. Die anderen hatten aber diesmal irgendwie größere Startschwierigkeiten als ich. Das erste was mir an diesem Morgen auffiel war, dass unser Fenster keine 100m von der Hauptfeuerwache Wellingtons entfernt war. In Auckland hätten wir kein Auge zu gemacht. Wellington ist eben wirklich um einiges gemütlicher als die einzige Millionenstadt Neuseelands.
Zunächst machten wir einen Spaziergang durch die Stadt, auch um ein geeignetes Frühstückscafé zu finden. Gestärkt für den Tag ging es mit einer historischen Standseilbahn hinauf zu den botanischen Gärten der Stadt. Von dort aus hat man auch einen netten Ausblick auf das Zentrum und den Hafen. Nachdem wir viele wunderschöne Pflanzen mit farbenfrohen Blüten bewundern konnten (was manchmal noch schöner ist, wenn’s geregnet hat) ging es am sonderbar anmutenden Regierungsgebäude vorbei, zurück zum Hafen. Dort besuchten wir das „Te Papa“, das Museum von Neuseeland.
Das moderne Gebäude beherbergt permanente Ausstellungen über die Geschichte Neuseelands (auch geologisch), die Maori-Kultur, sowie das heutige Leben in „Aotearoa“. Außerdem gibt es einen eigenen Landschafts-Außenbereich mit Höhlen, einem Wasserfall und einer archäologischen Ausgrabungsstätte. Das Museum insgesamt mehr ein Museum „zum anfassen“, sehr interessant und auf jeden Fall einen Besuch Wert wenn man gerade mal in Wellington weilt. Außerdem dem ist es, wie viele Museen in Neuseeland, kostenlos.
Das Museum war so interessant, dass wir statt der geplanten zwei, fast vier Stunden dort verbrachten und so setzte die Dunkelheit bereits wieder ein, als wir nach draußen kamen. Wir füllten noch schnell unseren Proviant so wie den Tank auf und machten uns auf den Weg Richtung Nord-Osten.
Unser Tagesziel war eigentlich Hastings oder Napier in der Hawke Bay. Da wir aber ca. vier Stunden hinter dem Zeitplan und alle ziemlich müde waren entschieden wir uns in Masterton, am State Highway 2, in ein kleines Hostel einzuchecken. An dieser Stelle muss ich mal erwähnen, dass es, seit wir von Taumarunui Richtung New Plymouth aufgebrochen waren, nur sporadisch aufgehört hat zu regnen. Wir hatten ein wenig Glück in Wellington aber als wir aus Wellington raus waren, ging’s auch schon wieder los. Das war vermutlich einer der Hauptgründe dafür, dass wir in dem Hostel in Masterton, einen ganzen Flur für uns hatten. Nach dem uns der, durchaus etwas angeheitert, aber nett wirkende Hostelbesitzer (er hätte fast seine eigene Topfpflanze auf dem Flur umgerannt) herum geführt hatte, genossen wir einen ruhigen Abend bei ein paar Bier und Geschichten.

Der Donnerstag begann wie der Mittwoch aufgehört hatte. Wir fuhren den SH 2 in strömendem Regen weiter nordwärts Richtung Napier, wo wir nun nur einen kurzen Mittagsstopp einlegen wollten. Im weiteren Verlauf sollte es allerdings der aufregendste Tag der Tour werden.
Napier ist ein entspanntes gemütliches kleines Städtchen. 1854 gegründet (Maoris lebten dort natürlich schon lange vorher), wurde es 1931 von einem starken Erdbeben (knapp 8 auf der Richter-Skala) dem Erdboden gleich gemacht. Danach hatte die Region allerdings 40 Quadratkilometer mehr Fläche. Das Beben hatte den Meeresgrund rund um Napier auf zwei Meter über dem Meeresspiegel angehoben. Napiers Flughafen war früher mehr „Hafen“ und weniger „Flug“.
Nach einem hervorragenden Mittagessen in einem der chilligen Cafés der Stadt machten wir uns auf den Weg zum Te Urewera National Park. Wir hatten geplant Richtung Rotorua zu fahren und wollten statt des „langweiligen“ Statehighways die interessantere Route mitten durch den Nationalpark nehmen. Langweilig habe ich übrigens deswegen in Anführungszeichen gesetzt, weil der durchschnittliche neuseeländische Statehighway außerhalb der großen Städte für einen Otto-Normal-Mitteleuropäer zehnmal aufregender ist als beispielsweise die A3 zwischen Köln und Frankfurt.
Schon kurz nachdem wir bei Wairoa auf den SH 38 Richtung Norden abgebogen waren, tauchten erneut die ersten Warnhinweise auf: „Tank auffüllen!“, „Gravel Road“ (englisch für „unbefestigte Straße“) und natürlich Warnungen vor diversen Tieren die queren. Irgendwann kurz vor dem Nationalpark fuhren wir mal an einem Schild vorbei, ich glaubte so was gelesen zu haben wie: „Straße wegen starkem Regen GESCHLOSSEN!“ Naja, wir haben ja den Colonel – uns kann nichts passieren. Auch ein anderes Schild machte Eindruck und ich ärger’ mich immer noch, dass ich kein Foto gemacht habe: „Gravel Road next 160 Kilometres!“ Und unbefestigt kann hier schon mal heißen, dass man da besser nur mit ’nem Geländewagen mit Allradantrieb lang fährt. Vor allem wenn’s die ganze letzte Woche geregnet hat und immer noch tut. Alles egal, es gab kein zurück mehr.
Alles ging gut und wir hatten einen Heiden-Spaß. (Hm, irgendwie muss ich gerad’ darüber nachdenken, warum das „einen Heiden-Spaß haben“ heißt. Ob die Heiden damals mehr Spaß hatten als religiöse Menschen? Und heute? Hm, heute heißt das Atheist ☺ ) Spaß bekam dann allerdings einen kurzen Dämpfer. Wir waren ca. eine halbe Stunde gefahren als Maria plötzlich fragte: „Riecht es hier nach verbranntem Gummi?“, woraufhin ich das Fenster runterkurbelte, Nase raus hielt und dann intelligenter Weise feststellte: „Ja, aber nur im Wagen.“ Und nach dem wir nur Sekunden auf ein Stückchen asphaltierte Straßen rollten und es sich immer noch unbefestigt anfühlte, was übrigens ein merkwürdiges Gefühl ist, war klar: Wir hatten einen Platten auf dem hinteren rechten Reifen.
Glücklicherweise waren wir bestens mit Ersatzrad und Wagenheber gerüstet und nachdem wir einmal gesamten Kofferraum ausräumen, Wagen heben, Rad runter, Rad drauf, Wagen senken und gesamtes Gepäck wieder verstauen hinter uns hatten setzten wir die Fahrt fort. Jetzt allerdings sehr viel vorsichtiger, da der Ersatzreifen nicht mehr besonders viel Profil hatte.
Mit der Zeit hatte die Dämmerung wieder eingesetzt und wir wollten unsere fahrt nicht im Dunkeln fortsetzen. Einerseits um die schöne Landschaft nicht zu verpassen und andererseits speziell nicht auf dieser Straße. Wir hatten Glück. Wir waren nur ein paar Kilometer vom einzigen Caravan-Park weit und breit entfernt. Dort mieteten wir eine, der wie Fischerhäuschen anmutenden Hütten. Da es unser letzter Abend der Reise war, wollten wir diesen auch gebührend ehren. Leider gingen uns die Mittel zum ehren aus. So machten Maria und ich uns auf den halbstündigen Weg zurück in das nächstgelegene Dorf wo wir eine Bar fanden, die uns die passenden mittel verkaufte. Doch gerade als wir bezahlen wollten – ging das Licht aus. So waren wir gezwungen noch ein paar Minuten in der, plötzlich von Kerzen erleuchteten Bar zu warten bis alles reorganisiert war. Als wir fast gut eine Stunde später wieder zu den beiden anderen stießen, stellte sich heraus, dass der gesamte Nationalpark unter einem Stromausfall litt. Das tat der Stimmung allerdings alles andere als einen Abbruch. Wir bekamen von den bestens gerüsteten Parkbesitzern Kerzen und so hatten wir einen gemütlichen und lustigen Abend in der Hütte. Vor allem „lustig“ könnt ihr unschwer auf den Bildern erkennen. ☺

Da wir nicht einmal die Hälfte des Weges durch den Nationalpark gemacht hatten, fuhren wir am nächsten Morgen zeitig los. Es war ein unvergesslicher Ritt durch eine gänzlich unberührte Landschaft (sieht man mal von dem Trampelpfad von Straße ab). So gelangten wir am frühen Nachmittag schließlich zu der vulkanisch aktivsten Region Neuseelands. Die Umgebung dort ist atemberaubend. Oft auch im wortwörtlichen Sinne, denn der beißende Geruch von Schwefel ist ständiger Begleiter in diesen Gefilden. Der Höhepunkt dieser letzten Etappe war sicherlich der Besuch des „Waiotapu Thermal Wonderland“. Der 1886 von der Eruption des Vulkans Mt. Tarawera erzeugte Landstrich ist übersät mit fantastischen Seen, messerscharfen Felsformationen, farbenfroh schillernden Gewässern und blubbernden Matschsümpfen. Noch einmal Kamera-Dauertest und dann ging es ab an die Ufer des Lake Rotorua um ein letztes Mal auf diesem Trip einen schönen Sonnenuntergang zu genießen.
Danach brach endgültig die große Traurigkeit aus, denn es ging nach einer tollen Woche wieder zurück nach Auckland. Speziell Jochen und mir viel auf, dass sich das diesmal allerdings ganz anders anfühlte, als die Rückkehr von unserem Südinseltrip. Mittlerweile wohnen wir seit zwei Monaten in Auckland und haben dort so etwas wie ein Alltagsleben. Es fühlte sich mehr nach zurück in den Alltag an als bei unserer Rückkehr von der Südinsel. Da war alles noch neu und ungewiss. Auf der einen Seite ist das schön, denn man weiß, dass man eine Wohnung hat die auf einen wartet. Auf der anderen Seite ist das aber auch viel schlimmer, denn man weiß auch, dass da viel Arbeit auf einen wartet.

So, das war der Bericht von Jochens und meiner Südinseltour Südteil-der-Nordinsel-Tour mit Johannes und Maria. Schon nächste Woche dürft ihr euch auf weitere spannende Geschichten freuen. Eine wird sicherlich dieses Wochenende entstehen. Jochen und ich machen uns mit seinen Unisport-Handball-Kollegen auf den Weg nach Wellington. Dort wird sein Team an dem einmal im Jahr stattfindenden nationalen Meisterschaften teilnehmen. Ja, genau, so groß ist Handball hier. Das ist wie Bundesligasaison an einem einzigen Wochenende. So wie bei uns wahrscheinlich Cricket.

Also macht’s gut und haltet die Stellung! Bis nächste Woche!



Der Reini

Montag, 28. April 2008

Shrimps-Golfen, Vulkane besteigen, aus dem Flugzeug springen und noch mehr verrückte Sachen! Teil 1

Yeeeeeeeeehaaaaaa!

Einen wunderschönen guten Tag!

Wir melden uns zurück nach Woche Abenteuer (und zwar reichlich!). Nachdem wir vorletzten Freitag unseren zweiten Mid-Semester-Test geschrieben haben, sind wir direkt ins Auto gestiegen und haben uns auf den Weg in den südlichen Teil der Nordinsel gemacht. Diesmal allerdings in leicht geänderter Konstellation. Andi flog letzten Samstag nach Christchurch um seine Eltern dort zu treffen. Von seiner Tour und der dazugehörigen Woche wird er bestimmt an anderer Stelle in unserem Blog berichten. So hatten Joe und ich nun reichlich Platz im Auto und beschlossen noch zwei Weggefährten mitzunehmen, Maria aus Kanada und Johannes aus Deutschland. Nachdem wir ein wenig Proviant eingekauft hatten machten wir uns mit unserem geliebten Auto auf den Weg Richtung Lake Taupo.

Der See Taupo liegt zentral auf der Nordinsel und ist der größte Neuseelands. Direkt am See gelegen liegt die kleine Stadt Taupo in der wir ungefähr um 19 Uhr ankamen. Wir hatten schon von Auckland aus ein Hostel gebucht und so bezogen wir direkt unser Zimmer und machten es uns für den Rest des Abends in den im Garten verfügbaren Hängematten gemütlich. Am nächsten Tag war dann sofort richtig Programm angesagt. Wir fuhren zu den 20 Minuten entfernten Huka Wasserfällen, die eigentlich mehr Stromschnellen sind. Aber was für welche! Uns bot sich ein spektakulärer Blick auf einer Flussenge durch die pro Sekunde etwa 120 m3 schießen! Das sind ca. 120.000 Liter Wasser jede Sekunde! Echt beeindruckend.
Anschließend fuhren wir zu einer nicht weit entfernten Honigfarm. Dort konnten wir einiges über die Honigerzeugung und Popularität in Neuseeland erfahren und außerdem viele verschiedene Honigkreationen und –sorten testen. Manche waren echt merkwürdig. Also Fenchel-Malz-Honig oder Paprika-Lemone muss man dann auch nicht unbedingt machen. Naja, jedem das seine. Beenut Butter (Honig mit Erdnussbutter kombiniert) war aber auf jeden Fall einer der Favoriten der ganzen Gruppe. Nach diesem Geschmackserlebnis, ging’s dann zum sportlichen Teil des Tages. Als erstes stand Killer-Prawn-Golfen auf dem Programm. Naja, eigentlich war das mehr ne spontane Sache, hat aber so viel Spaß gemacht das wir gleich 60 Bälle verschossen haben. Mann muss sich dabei vier längliche Becken vorstellen die parallel zueinander liegen. An einer Seite dieser Becken hatten die Betreiber nun eine Abschlagstation eingerichtet und von dort aus schlug man die Bälle in die Becken mit den Shrimps. Das muss für die Shrimps ganz schön ätzend sein. In jedem Becken gab’s einen ring und je nach Entfernung konnte man mehrere hundert Dollar Preisgeld für das Treffen eines Ringes kassieren. Leider war auch unser bester Golfer Joe nicht in der Lage einen der Ringe zu erwischen. Obwohl es ein paar mal nur um Zentimeter ging!
Der zweite Teil des Tages am Lake Taupo stand ganz im Zeichen der Springerei. Natürlich nicht vom Ufer in den See oder von einer Brücke oder einem Bungee-Sprung, nein, es sollte Fallschirmspringen sein. Das Gebiet um Lake Taupo gilt unter Fallschirmspringern als eines der spektakulärsten in Neuseeland, was sicher auch an der atemberaubenden und abwechslungsreichen Landschaft rund um den See liegt. So machten sich nach kurzer Fahrt zum Startpunkt drei wackere Recken mit Namen Maria, Johannes und Joe auf, den Himmel über Neuseeland zu erkunden. Nachdem alle ihren „Tandem-Master“ zugewiesen bekommen und ihren Sprunganzug angelegt hatten, bestieg eine Gruppe von sechs Pärchen das kleine gelbe Flugzeug, das die Springer auf 15.000 Fuß (ca. 4.570 Meter) bringen sollte. Ich begutachtete das ganze Spektakel derweil von unten. Keine zwanzig Minuten später landeten meine drei Mitreisenden völlig überdreht und glücklich auf einer Wiese nahe des Flugfeldes. Nachdem wir den Zusammenschnitt der DVD der Springer begutachten durften machten wir uns auf den Weg Richtung Tongariro. Nahe diesem dort liegt der Tongariro National Park der auch den mächtigen gleichnamigen Berg umfasst. Dort wollten wir am nächsten Tag eine der schönsten Wandertouren Neuseelands beschreiten. Zunächst brauchten wir aber ein Lager für die Nacht und da das Wetter mitspielte entschlossen wir uns nahe des Ortes zu campen. Wir fanden schnell ein abgelegenes Plätzchen wo wir den Colonel und unsere zwei Zelte sichtgeschützt und abgelegen von der Straße unterbringen konnten. Dort hatten wir einen gemütlichen Abend am Lagerfeuer und eine mehr oder weniger gemütliche Nacht.
Ah, einige von euch haben sicher etwas bemerkt! Wir haben unserem geliebten Auto einen charakteristischen Namen verpasst. Von nun an wird uns „The Colonel“ (sprich: Körnel) auf all’ unseren Reisen begleiten. Und um ihn zu taufen haben wir wie ihr sehen könnt keinen Champus, sondern schwarze Sprühfarbe benutzt. Da sag’ noch mal einer wir wären nicht spontan.

Nach dem wir den Schlaf aus den müden Gliedern geschüttelt hatten, gings am nächsten Morgen auch gleich früh auf zum Startpunkt unserer Wanderung. Unterwegs legten wir in einem einsamen Außenposten-café noch eine kurze Frühstückspause ein und so machten wir uns schließlich um kurz vor zwölf (naja früh ist eben relativ) auf den langen Weg der Tongariro Querung (orig.: „Tongariro Crossing“). Alle hatten genug Proviant und Wasser in ihren kleineren Rucksäcken. Ich entschied mich aus einer spontanen Eingebung heraus, meinen voll beladenen 80-Liter-Rucksack mitzunehmen. Ich wollte eben unbedingt mal ausprobieren wie sich so ein Rucksack auf einer Ganztagestour trägt. Ich schätze, dass er so ca. 15 Kilo hatte obwohl sich diese nach einigen Stunden eher anfühlten wie 25.
Normalerweise ist diese Wanderung eine grob geschätzt siebenstündige Tour über einen Pass vorbei an den Hängen des Mt. Tongariro, an dessen Ende man sich von einem Shuttlebus wieder zurück zu seinem Auto bringen lassen kann. Da wir nun aber so früh gestartet und uns der Shuttlesituation nach 18 Uhr nicht sicher waren, beschlossen wir bis zur Mitte zu gehen und dort umzukehren. Nach dreieinhalb Stunden Wanderung durch plätschernde Bachlandschaften, die sich zu Mooren und schließlich in steile felsige Hänge verwandelten, erreichten wir das Tagesziel: die Emerald-Lakes. Diese Seen haben ihren Namen schlichtweg wegen ihrer unnätürlich grünen Farbe. Auf dem Rückweg konnten wir noch einmal einen Blick auf die atemberaubend schöne und zugleichunwirtliche Landschaft werfen die wir zuvor durchquert hatten. Besonders beeindruckt hat mich dabei der Krater, mit einem Durchmesser von geschätzten 1200 Metern und die zerklüftete Berglandschaft. Diese sowie die Emerald Lakes verdanken ihre Existenz nicht zuletzt der Tatsache, dass der National Park in dem wir uns bewegten noch immer vulkanisch sehr aktiv ist. Oben auf dem Pass rauchte und qualmte es überall und oft wehte uns der beißende Geruch von Schwefel in die Nase.
Nach dieser unglaublich intensiven physischen Erfahrung von der wir auch erst nach Einbruch der Dunkelheit zurückkehrten, gönnten wir uns eine Nacht in einer Hütte eines Campingplatzes im ca. 50 km nord-westlich gelegenen Taumarunui. In den sehr gemütlichen Betten schliefen wir dann auch fast alle 12 Stunden.

Am nächsten Morgen ging es weiter Richtung Westen. Über eine größtenteils unbefestigte Straße von Ohura nach Ahititi erreichten wir schließlich auf dem Statehighway 3 Richtung Süd-Westen New Plymouth. Inzwischen hatte es angefangen wie aus Eimern zu gießen. Das hatte aber schon während der Fahrt der Stimmung keinen Abbruch getan, da wir uns mit abwechslungsreicher Musik, lustigen Geschichten und nicht zuletzt der atemberaubenden dschungelartigen Landschaft um uns herum bestens bei Laune hielten. So tranken wir in einem Szene-Café in New Plymouth bevor ein kleines Highlight des Tages anstand.
Maria aus Kanada, die uns auf dieser Reise begleitete, ist Opernsängerin und studiert in Auckland Musik. Sie bat uns, in New Plymouth die „Bowl of Brooklands“, eine große tolle Freilichtbühne zu besuchen. Das taten wir dann auch und so kamen wir in den Genuss eines kostenlosen kleinen Konzerts.
Da ein Ende des Regenfalls nicht abzusehen war, beschlossen wir ein paar Kilometer zu machen da wir am Abend des nächsten Tages in Wellington, am Südende der Nordinsel sein wollten. So fuhren wir auf dem SH 45 komplett rund um den Mt. Egmond und den ihn umschließenden Nationalpark. Aufgrund der Regenwolken konnten wir aber weder den Berg noch etwas von der schönen Küstenlinie bewundern. Nicht unbedingt erpicht auf eine durchnässte Nacht im Zelt entschieden wir uns nach Wanganui, weitere 85 Kilometer südlich, zu fahren und dort ein Hostel zu beziehen.
Das Hostel stellte sich als echt gemütlich heraus und die anderen Gäste waren lustige und interessante Leute mit denen wir schnell in Gespräch kamen. Da wir bereits um ca. 20 Uhr dort ankamen und alle sehr hungrig waren bot ich meine Kochkünste an. Niemand hatte Einwände und so machte ich mich zusammen mit Johannes auf die Jagd nach geeigneten Zutaten. Nachdem wir im örtlichen Supermarkt ein paar frische Lachsfilets und die passenden Beilagen gefangen hatten, bereitete ich einen herrlichen Schmaus zu, der glaub’ ich auch bei den anderen ganz gut ankam (Danke, Mama! ☺ ). Den Abend ließen wir mit einer Runde Poker (natürlich ohne Einsatz) und ein bisschen Geplauder ausklingen.

Der nächste Tag brachte wieder eine interessante und spannende Autofahrt mit sich. wir hatten am Abend zuvor beschlossen, nicht auf direktem Wege von Wanganui nach Wellington zu fahren, sondern einen Umweg zu nehmen. Jochen hatte in unserem unschätzbar wertvollen Reisebegleiter „Lonely Planet“ von der malerischen „Whanganui River Road“ gelesen. Gesagt getan: Wir fuhren den SH 4 Richtung Norden bis wir das Dorf Raetihi erreichten. Dort bogen wir nach Westen Richtung Pipiriki ab um dort aus die berühmte Whanganui River Road zu gelangen. Schon in Raetihi passierten wir allerdings das Schild, das uns zu bedenken gab, dass es die nächsten 60 Kilometer keine Tank- oder Versorgungsstelle geben würde. Nichts als Dschungel, matschiger Weg und wir mittendrin. Abenteuer pur! Es folgten einmal mehr unglaubliche Aussichten und Eindrücke der Natur, bevor wir erneut eine Hauptstraße erreichten. Diese führte uns dann noch am selben Abend auf direktem Wege nach Wellington.

Den zweiten Teil dieser abenteuerlichen Woche werde ich heut Nachmittag posten. Dann habt ihr schon mal ein bisschen Zeit zum lesen. Bis später! ☺

Dienstag, 22. April 2008

Jochen in Waitomo und Rotorua

Ein herzlich bayrisches Grüß Gott an die andere Seite des Globus!

An dieser Stelle liegt es an mir, einen kleinen Nachtrag zu verfassen. Wie sicherlich einige von euch mitbekommen haben, haben wir uns alle drei in der letzten Woche ein bisschen auf der Nordinsel rumgetrieben.
Bevor wir jedoch diesen Bericht posten (Reinis Finger laufen schon Wund, wie ich das heute mitbekommen habe), muss ich, chronologisch richtig, meinen Ein-Tages-Ausflug nach Rotorua nachreichen. Dieser war am 24.3. (jaja, ich weiß, ist einen Monat her...) in Begleitung meiner Eltern, die mich zu dieser Zeit besucht haben.

Da sich meine Eltern zum größten Teil in der Umgebung von Auckland aufgehalten haben, hatten wir uns dazu entschlossen, einen Tag lang mal etwas weiter aus Auckland herauszufahren. Kurzerhand entschlossen wir uns dazu, das nächste Informationsbüro aufzusuchen und uns nach einem Ein-Tages-Trip zu erkundigen.

Dabei gab es mehrere Möglichkeiten, wie man sich den Trip zusammenstellen lassen kann. Auf wohl dosierte, jedoch nicht minder entschlossene Argumente meinerseits, entschlossen wir uns dazu, gleich drei Orte mit 4 Sehenswürdigkeiten an einem Tag anzuschauen und somit diesen auch auszufüllen. Gesagt getan, bzw. für den nächsten Tag gebucht.

Dieser ging auch richtig schön früh los, für mich war um 5:30 Uhr die Nacht zuende. War aber kein größeres Problem, da ich wusste, was mich etwa eine halbe Stunde später erwarten würde... tolles Frühstück im Hotel meiner Eltern. Kurz vor 7 wurden wir dann am Hotel abgeholt und zur Sammelstation gefahren, die wir um 7:30 Uhr Richtung Waitomo, unserem ersten Erkundungsort, verließen.
Nach etwa drei Stunden Fahrt durch von herrlich morgentlichem Sonnenlicht gespeißte Naturlandschaft (Gott, bin ich heute wieder poetisch) erreichten wir Waitomo. Der Grund unseres Aufenthalts waren die vielen bekannten Höhlen (caves), in denen man sowohl rafting, abseiling (eines der wohl witzigsten eingeenglischten Deutschwörter)als auch viele andere Extremsportarten erleben kann. Ihr könnt es euch sicher vorstellen... ich werde wohl kaum meine Eltern an einem 3cm dicken Seil 30 Meter in eine Höhle ablassen um sie dort den reißenden Fluten auszusetzen. Nein, denn die Höhlen sind vor allem bekannt für seine Glühwürmchen. Nach einer kurzen geschichtlichen Einführung in die Glow Worm Caves war die Hauptattraktion eine Bootsfahrt auf einem stockdunklen See inmitten der Höhlen. Durch die absolute Dunkelheit waren die Glühwürmchen, wie bei einem Sternenhimmel, an der Decke eindrucksvoll zu sehen. Schade dass man hier keine Fotos machen konnte, so müsst ihr leider euere Gedanken spielen lassen, wie das wohl ausgesehen haben könnte, aber ich kann euch versichern..... fantastisch!

Nächste Station auf unserer Tour war der Agrodome Complex. Keine Angst, es handelte sich hierbei nicht um eine konfliktfördernde Wohnsiedlung in Berlin, sondern um eine rießige Farm, auf der uns die Landwirtschaft Neuseelands nahegebracht wurde. So ging es dann auch zunächst mit dem Traktor plus Anhänger auf große Erkundungstour, bei der wir allerlei Getier zu gesicht bekamen. Besonders hervorgehoben haben sich natürlich die in großer Anzahl vorhandenen Schafe und die ebenso gefräßigen Strauße. Nach dieser kleinen Arche-Noah-Tour stand eine Schaf-Hunde-Show auf dem Programm. Hier wurde gezeigt, wie die tatkräftigen Vierbeiner die Schfer bei ihrer Arbeit unterstützen. Wenn man bedenkt, dass in Neuseeland üner 40 Mio Schafe hausieren, wird einem schnell bewusst, wofür diese schlauen Tiere gebraucht werden. Zu guter letzt wurden wir noch in die Geheimnisse des Schafe-Scherens eingewiesen. Dass das Schaf nicht so ganz happy dabei aussah, kann man sich sicherlich vorstellen (und auch den Bildern entnehmen).

Weiter gings am frühen Nachmittag Richtung Rotorua, unserer letzten Station. Rotorua liegt in einem der geologisch aktivsten Gebieten der Erde. Von Vulkane über blubbernde Schlammlöcher, Geysire (GEISire, got it? *g*), Schwefellöchern und heißen Quellen gibts hier allerhand zu sehen und vor allem auch zu riechen. ;-) Bevor wir dies jedoch bestaunen konnten, stand zunächst aber eine Zeremonie der Maori auf dem Tagesordnungspunkt. Neben dem uns von der Uni schon bekannten Begrüßungsritual bekamen wir noch viele Gesangseinlagen, den traditionellen Kriegstanz - den Haka - und historische Einblick in die Kultur der Maori geboten.
Letztendlich kamen wir zu dem letzten Highlight unserer Tagestour, denn wir bekamen eines der zwei Wahrzeichen Neuseelands zu Gesicht... den Kiwi. Dieser leider sehr bedrohte Vogel hat etwa die Größe eines Huhns, jedoch einen viel längeren Schnabel. Er ist jedoch genauso flugunfähig. Da dieses Tier nachtaktiv ist, bekommt man es in freier Natur nur sehr sehr selten zu Gesicht, gerade auch weil es zudem noch vom Aussterben bedroht ist. So konnten wir den Kiwi auch nur in einem abgedunkeltem Gehege bewundern... trotzdem schon witzig, die Teile.

Nach einem sehr schönen, wenn auch vollgepackten Tag hieß es am späten Nachmittag wieder die Pferde zu satteln und zurück nach Auckland zu reiten, auch wenn das mit den Pferden diesmal der Scania-Bus übernommen hat.

Zu guter letzt möchte ich mich natürlich nochmals an dieser Stelle bei meinen Eltern bedanken, mit denen ich ein paar sehr schöne Tage hier in Neuseeland verbringen durfte, ihr seid toll!!

Mehr von uns in ein paar Tagen, dann kommt der Nordinselbericht und ich kann jetzt schonmal prophezeihen, dass wieder viel Sitzfleisch gefordert sein wird.

Liebe Grüße und ein deftiges oinz, zwoa....
Jochen

Dienstag, 8. April 2008

Jap, auch Interviews geben will gelernt sein!

Hi!

Heute, neue Lektion für mich:

Ein Radio-Interview geben will gelernt sein. Ich ärger mich immer noch über die Antwort, die ich dem Redakteur von REL auf die Frage nach dem Unterschied zwischen Neuseeland und Gladbeck-Zweckel gegeben hab! Aber, Mann, was ist das auch für 'ne Frage! Deutschland-Neuseeland, gut. Ruhrgebiet-Neuseeland, auch ok. Auckland-Essen, von mir aus. Aber Neuseeland und GLADBECK-ZWECKEL!

Für alle zufällig vorbeischauenden REL-Hörer: Wir möchten Sie herzlich einladen unseren Blog zu lesen, um herauszufinden, wie sich Neuseeland wirklich von Gladbeck-Zweckel unterscheidet.

Außerdem hatte ich mir fest vorgenommen, euch zu grüßen. Ja, das mach ich dann jetzt einfach nochmal von hier aus: Viele Grüße an meine Eltern ohne die ich diesen Trip nicht hätte machen können, meine Freundin Sarah, die ich wie verrückt vermisse, meinen Bruder, ohne den das Leben nur halb so komisch ist ("Nehm' wa no' ein'?") und an alle Freunde die ich für ein halbes Jahr zuhause zurück lassen musste. Seht zu, dass Zweckel noch da ist wenn ich wieder komm'! ;)

Naja, so oder so, das ca. einminütige Interview wird morgen, 09.04.08, vermutlich zwischen 16:00 und 18:00 Uhr auf Radio Emscher Lippe (98,7) gesendet. Genauere Auskunft konnte der nette Herr (der war wirklich nett) mir leider nicht geben.

So viel dazu! Bis demnächst!



Reini

Sonntag, 6. April 2008

Nachtigall, ik hör' dir trapsen!

Hi Leute!

Nur ein schnelles Informationsupdate weil mir das gerade selbst aufgefallen ist:

In Neusseeland endete letzte Nacht die Sommerzeit. Folglich wurden die Uhren hier um eine Stunde zurückgedreht. Da zuletzt bei euch die Sommerzeit begonnen hat und die Uhren eine Stunde vorgestellt wurden, haben wir jetzt mittlerweile einen Zeitunterschied von nur noch +10 Stunden.

Immer schön entspannt bleiben :)



Reini